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…those were the days
der tag am meer
kurze entschlüsse. momentanes zwinkern des lebens. komme und lebe und geniesse den tag am meer. mit meiner nicht vorhandenen affinität zu sonne im allegemeinen und den daraus entstehenden auswirkungen nur allzu vertraut. was reitet mich, altes bleichgesicht, eigentlich, einfach so ans meer zu fahren? freunde natürlich was sonst, und eine zur zeit stattfindende schaffenskrise die irgendwie mit neuer nahrung versorgt werden muss, nicht die krise, sondern der geist. 20 minuten vor 6 fährt der zug von berlins neuem prunkstück der mehdorn ära richtung norden, 4 mal umsteigen heisst es. in mir kommen verloren geglaubte erinnerungen hoch, dinge die vor mehr als 25 jahren auf einer anderen strecke in der gleichen richtung passierten. meine allsonntäglichen fahrten nach stralsund-andershof zu den flugschweinen.
schlaftrunken stehe ich morgens auf dem bahnhof und betrachte die bunte menschenmenge die ebenso wie ich der stadt entfliehen will um den tag am meer zu nutzen. direkt neben mir eine truppe von transvestiten, noch geschminkt, aber in tageskleidung, laut lamentierend über die menge der menschen die um diese uhrzeit die bahn benutzen. viele koffer, viele kinder, viele sehnsüchte.
meine fahrt geht nur bis neustrelitz, eine stunde zwischen schwitzenden und lauten menschen stehend auf einer treppe des regionalexpresses typ bautzen.
waren wir damals nicht auch so? laut und grell. berliner auf dem weg ins exil nach stralsund. ich weiss, noch wie ich damals alles gehasst habe was “normal” war, gut das mache ich eventuell heute auch noch, nur nicht mehr provokativ. meine eltern liessen sich tonsuren schneiden, ich hatte meinen iro und die selbstgeschneiderten klamotten. hauptsache dagegen. wogegen waren wir denn eigentlich damals ? gegen die spiesser ? den staat ? was weiss ich, wir waren zumindest eine partytruppe, viel musik und das fade to grey war noch bestandteil unseres daseins, ebenso wie just cant get enough. hier sind die texte jedoch deutsch. und die doc martins bestimmen den takt. vielleicht gruselig, aber am morgen besser zu ertragen als in der nacht.
stralsund. die stadt ist anders, auch wenn ich nur den bahnhof sehe. andershof ist gewichen einem autohaus, devin jetzt jugendhotel und überhaupt ist das südliche ende , soweit ich es aus dem zug betrachten kann, komplett urbanisiert worden. ich sollte mal einen tag einfach nur so hinfahren und nicht nur auf der durchreise sein. um erinnerungen zu holen und sie vielleicht wieder zu verwerfen. als ich das letzte mal hier war, starb olof palme. der frankendamm ist einer autobahn gewichen die nach rügen geht und den bodden soll eine große autobahnbrücke überspannen. viel betriebsamkeit. am bahnhof wechsel in einen zug richtung bergen, wieder menschen ohne ende, alle bepackt mit den notwendigen strandutensilien um ihren tag am meer zu geniessen. sitzplatz oh ja , sogar erste klasse, so kann doch aber die bahn keinen gewinn machen, aber die menschlichkeit des schaffners ist bewundernswert. (was übrigens auf der rückfahrt ad absurdum geführt wurde)
als ich das letzte mal den rügendamm überquerte, war unser internat auf dem weg nach prora zum wehrersatzdienst, bzw. die vorbereitung zur armee. ich musste mit, obwohl commander und ich es tatsächlich schafften ausgemustert zu werden. aber eine woche frische luft und harken von sand kann ja auch nicht so schlecht sein. unsere ganzen berufsschullehrer behandelten uns wie aussätzige, aber in anbetracht, der gesichter der anderen am ende eines tages war klar: lieber aussätzig als tot
war damals sowieso komisch, wir in berlin lebten recht liberal und beeinflusst durch die medien die uns nicht so verschlossen waren wie den menschen in stralsund. und ich bin eines nachts auf den schornstein unseres internats geklettert um einen antenne zu montieren, das auch die freie welt in unser internat einzug halten konnte. das gab zwar richtig stress, aber es war mir damals auch so einiges wert. durch diese aktion kamen auch durch stupsi der begriff “flugschweine” in mode … bei diesem ersatzdienst auf rügen , besser der vorbereitung zum durchs-feld-robben-und-der-arsch-ist-der-höchste-punkt-im-gelände sport haben wir uns immer wieder belustigt gefragt, wer das denn irgendwann mal brauchen würde, und diese entscheidung, die war wohl die erste entscheidung, die ich bewusst für mein leben entschied, eben nicht den dienst an der waffe und am vaterland zu vollziehen. nein, davor entschied ich mich gegen das studium, war ja auch wichtig und die entscheidung habe ich vielleicht auch zu bereuen aus der heutigen sicht. die verweigerung des waffendienstes ist ja dann auch eher moralisch zu sehen, und wenn es damals auch sicherlich viel faulheit war und auch trotz, so stehe ich dennoch bis heute zu dieser aussage.
die fahrt geht weiter durch rügen , nebenan auf der 196 stauen sich die autos und finde air-con in zügen ist schon was schönes. in lietzow ist das letzte umsteigen angesagt, in die bummelbahn über prora nach binz, wieder weniger wagen aber mehr leute, also wieder stehen. 20 minuten später … .binz.
ich war schon lange nicht mehr an der ostsee und noch länger nicht auf rügen. in meinem fall zwanzig jahre. ich kam mir bei der ankunft vor wie auf einem anderen planeten, alles schön hergerichtet und komplett auf tourismus ausgerichtet. leider kann ich mich nicht daran erinnern, aber meine mutter war mit mir in göhren als ich noch auf den topf machte. und so wie ich sie kenne, war es damals wohl eher ein preisgünstiger urlaub so mit fkk und zelten und so. von solchem charme verspürt man so gar nichts mehr wenn man jetzt ankommt, sehr viele hotels und eine schmucke strandpromenade mit gesalzenen preisen und hochpreisiges shopping zeichnen jetzt die stadt aus. und es ist schön dort, ausnehmend schön, wenn auch massen und menschen unterwegs waren, die sich wie eine python träge über die promenade wälzten. also suchte ich mir ein plätzchen und las weiter meinen murakami und ein paar andere zeitschriften. und prompt vergass ich meine sonst penibel durchgeführte sonnenschutzaktion an meinen waden, was zur folge hat, das ich meinem sternzeichen rein äusserlich geracht werde, halt nur an den beinen der super sonnenbrand. irgendwas ist immer. zum nachmittag hin war dann baabe angesagt, was durch einen relativ hohen alterschnitt glänzt und dadurch nicht unbedingt so überlaufen wie binz war. ein preisgünstiges hotel gesucht und den ort durchstreifen nach etwas bezahlbarem essbaren war eins. sobald beides gefunden war, sommerfest mit einer unglaublich schlechten coverband und ein spaziergang an der promenade von baabe richtung sellin. sonnenuntergang über der ostsee, wiegt alle missstände eigentlich auf, mit den füssen im kühlen sand stehen und dabei die meeresluft zu schmecken ist ein gefühl das unglaublich befriedigt.
sollte ich öfters machen.
jemand lust mitzukommen ?
