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CaycePollard Forder

ich habe mich vervielfacht. nein nur verdoppelt. im zuge des hypes um die allgemeinen und besseren vorzüge einer virtuellen realität, bin ich in meinem leben jetzt zwei. in echt sozusagen derjenige der schreibt, leicht verklemmt, übergewichtig, unrasiert und mit beiden beinen jeweils zu einem bestimmten zeitpunkt immer in einem beliebigen, frei wählbaren fettnäpfchen stehend. my second life starts as a test. CaycePollard Forder so heisst mein alter ego, was momentan in irgendeiner ecke einer x-beliebeigen insel des linden-landes vor sich hindämmert. vorzugsweise 10 meter über dem boden schwebend mit einem bewusst gewählten ,kaukasisch-eurasiatischen grinsen im gesicht. oder halt schlafend. wie auch im normalen leben, kann man sich dort auch nicht beim schlafen betrachten. was sicherlich auch von vorteil sein kann.
begonnen hat mein zweites leben mit einem test. nein, ich war nicht zu besoffen, um noch zu wissen was ich mache , ich habe nur einen rechner eingerichtet, und wie es sich so ergab, dauerte die update orgie eines OS aus dem norden der usa etliche minuten, so das ich mich entschloss, die leidvolle zeit auf dem apfel damit zu überbrücken auf einem anderen screen mich dem ominösen second-life zu beschäftigen. im nachhinein sei gesagt, das es vermutlich vernünftiger gewesen wäre, zuzuschauen wie milch abgepackt würde, oder ein buch zu lesen. da ich beides nicht zur hand hatte, und auch die neugier ein klein wenig im nacken sass, lud ich mich selber zur erschaffung meines virtuellen alter ego ein. auf dem mac ist das laden von ungefähr 96 mb client software notwendig, die man nach einer mehr oder weniger ausgefeilten bekanntmachungsorgie bei www.second-life.com zum downloaden bekommt (ich schreibe dies hier auf einem normalen laptop auf der fahrt von stuttgart nach berlin, irgendwo bei hanau). sinnigerweise ist die anmeldeprozedur von vielen wenn und abers geprägt , auch wenn sie in meiner muttersprache von statten geht (von der ich mittlerweile ihren namen nicht mehr glaube), nach angaben von mehr oder weniger genauen daten zu meiner person, folgt dann die wahl seines alter ego , auswählbar zwischen mann,frau und etwas was aussieht wie sonic auf speed. durch meine reisen durch die diversen börsen ausreichend geheilt und nicht lust auf ein abenteuer habend, ist meine erste wahl ebenjener durchgeknallte fuchs gewesen , aber nach einigen nachdenken erschien es mir vernünftiger , es nicht gleich mit so  durchgeknallten figuren es zu versuchen, sondern mir mein mehr oder weniger genaues alter ego zu basteln (wer die figur letztendlich mal sucht, weiss ungefähr was ich meine). somit wurde ich im zweiten leben das was ich im ersten ja schon ein paar jahre versuche zu werden, ein mann ! CaycePollard Forder, ja das ist mein name im zweiten leben , ich hätte auch meinen echten genommen, aber das erschein mir dann doch zu exaltiert, und lies sich dann auc hmangels möglichkeit nicht vollziehen, denn während die Vornamen frei wählbar sind , ist doch der nachname irgendwie vorgegeben. vermutlich um irgendwelche real existierenden historisch verbrieften versagern nicht die chance einer re-inkarnation zu geben. was eventuell nicht weiter schlimm wäre es ebenjenen zu erlauben, denn man hätte ja die chance, sie zumindest virtuell, windelweich zu kloppen. wobei hier auch dann irgendwie der spass auf der strecke bleiben würde. der reale.
nach der schaffung meines namens war sozusagen meine geburt vollzogen, ich versuche mir vorzustellen, was meine mutter wohl im kreissaal für ein gesicht gemacht hätte, wenn ich bei der geburt schon so ausgewachsen wäre, wie mein alter ego. und die augen der anwesenden ärzte und schwestern …. naja, zumindest erblicke ich , mein alter ego meine ich, recht ausgewachsen mit den gesichtszügen eines japanischen manga darstellers und entsprechenden outfit das licht der welt von second-life. dem “o gott”, das ich auf den lippen hatte, stellte sich alsbald das lächeln zur seite, denn beim “first visit” bekommt man denn gleich das skalpell aus bits und bytes zur seite gestellt, um sich dem allerwelts comic helden zackig deutsch entgegezusetzen. und wenn es auch komisch erscheint, vermutlich bastelt jeder erstmal in sein virtuelles gegenüber alles das ein, was einem selbst verschlossen blieb oder bleibt. im wissen um diese möglichkeiten, kann man es denn auch gleich sein lassen, denn nichts ist so einfach, wie sich selbst zu betrügen, gerade im zweiten leben , weil es denn im ersten auch so gut funktioniert. der vorteil im zweiten ist, das man das müsli nicht selber essen muss, um so auszusehen :-) leben aus zweiter hand halt …. nachdem ich eine halbe stunde meine gesicht und meinen körper und vor allem meine frisur , fast nahe an die realität brachte, starte ich durch im der welt und wurde auf das eiland der ankommenden verfrachtet, um , na was wohl , laufen zu lernen. ok, es mag ja sein, das dem durchschnittsamerikaner komplett das verständnis der sprache (der eigenen) fehlt und er daurch per sprachkommando zu seinen ersten schritten aufgefordert wird, wohgemerkt auch das fliegen , das in den linden labs durch bild-hoch/-runter definiert wird, erlernt man einfach un schnell auf welcome-island. selbst die möglichkeit mit einem atv-quad durch überfahren von ratten seine driving license (virtuell) zu erarbeiten, selbst das ist möglich und wie ich erst im weiteren ablauf bemerkte auch durhcaus erforderlich. als mich eine in der wand eingelassene buddha figur ansprach, um mir die vorzüge der kommunikation nahezulegen, lag ich im realen leben auch schon fast auf dem boden vor lachen. was nicht heissen soll , das ich begriffen habe worum es in diesem teil von welcome-island tatsächlich ging. baer man kann ja fliegen und wie einem in lesson 2 beigebracht wurde auch wunderschön teleportieren (SCOTTY Lebt !) kann. ernüchternd ist die wahl der dinge, wohin man sich denn teleportieren kann. sex sells , ob real oder virtuell, es ist immer das gleiche. die angebot, die man bei der eventsuche finden kann sind mehr als eindeutig. bis man etwas gefunden hat was eben nicht so auf das anscheinend einzig wichtig im second-life hindeutet, vergehen etliche minuten mit durchscrollen der angebote. ok, ich gehe im normalen leen selten in etwas ähnliches wie eine disse, flatrate saufen kann ich auch gut zuhause , denke ich :-) aber mein erster gedanke war ja , dem sinn nach etwas geselligkeit zu frönen. also auf zur brasilian beach party (und ja mir stand der gedanke nach leichter samba!). angekommen bot sich ein bild des grauens, sowohl für auge und leider auch fürs ohr. statt den klängen sergio mendes zu folgen, war es doch wolle petry und im anschluss roland kaiser die mir zu gehör gebracht wurden, untermalt von einem dj des sprachliche artikulation einen deutlich an die gesprochene vokuhila der endachtziger erinnerten. und überhaupt , das was als beach angepriesen war, sah rein designerisch den ersten spielen auf den brotkästen ausgesprochen ähnlich, und das ist jetzt nicht böse gemeint, aber wer sich schon einmal in WoW vertieft hat oder DAoC weiss , das tatsächlich mehr geht, als bewegende klötzchen. spätestens beim wunsch zum tanzen fällt einem spätestens jetzt auf, das für das zweite leben mehr noch als für das erste gilt: money rulez !
um meinem etwas verklemmt wirkenden alter ego ein wenig bewegung in die hüfte zu bringen, muss ich bezahlen , in linden-dollar. ok, im realen leben, da hätte man mir geld gegeben , wenn ich *nicht* tanzen würde. aber im zweiten, mit dem man bekanntlich weitaus besser sieht, da muss ich bezahlen um zu tanzen. nichtzahlenden avataren bleibt somit nur das fusswippen am rand der tanzfläche, was wiederum banale parallelen zu dem realen leben in den achtzigern erzeugte. bei mir zumindest.

resignierenderweise verliess ich die brasilianische strandparty mit einer simplen aufwärtsbewegung, um leicht sanft in eine richtung zu entschwinden, in der ich das offene mehr vermute, langsam schwebend eindösend in der gewissheit, das ich nach verlassen des second life mich doch wieder meinem realen ego-shooter unterwerfen werde, der als eine der wichtigsten handlungen das löschen des SL clients als essentiell ansieht.

für menschen wie mich, die versuchen, ganz ohne CGI ihr erstes leben halbwegs zu meistern, was auch nicht immer gut geht, ist SL definitiv der oberlacher. wenn man auch noch aus einer branche kommt, in der neues alltäglich ist und alltägliches immer wieder neu erfunden wird, bleibt der beigeschmack des programmierten deja vu bestehen und vertieft sich mit jedem schritt/flug durch das zweite leben.

dabei ist das erste so angenehm. manchmal zumindest.

apfel-Q.

5 Kommentare

  1. Jagolina says:

    Ich hab mich bisher nicht an Second Life rangetraut, da ich meine Suchtanfälligkeit kenne und befürchte, einen ähnlichen Anfall wie bei Siedler, diversen Adventures, Lemminge etc zu kriegen – nur schlimmer!

    Und dann sitz ich nächtelang mit roten Augen und wirren Blick vor dem Monitor, bastel mir den Wolf, mein gesellschaftliches Leben tendiert gegen Null, die Katzen verhungern, der Pizza-Lieferant kann das Auslandsstudium seiner Kinder finanzieren unsoweiterunsofort.

    Nee nee, da lass ich lieber die Finger von ;) .

    3. April 2007 @ 13:28

  2. irgendwer says:

    das mit dem aussehen eines kaninchens ist wohl eine schlimme sache :-) aber keine angst , ich denke , second life ist eher was für menschen mit einem eher weniger ausgeprägten ego. es vereinamt eher deine geldbörse um dir eine illusion zu geben, die es real nicht gibt. auch wenn es die werbung und der hype anders suggeriert, gegen SL ist “Die Siedler” ein echter X-Rated Ego-Shooter!!!! es ist mir unverständlich wie sich ca 3.5 mio nutzer so gepflegt langweilen können. und das was “zweite leben” für das auge bietet ist ganz nah dran an asteroids, oder tetris auf dem palm. es ist eine perfekte marketing maschinerie die dir das geld aus der tasche zieht allerlei tinnef, den du vermutlich auch im ersten leben als solchen ansehen würdest.
    ich stehe solchen sachen nicht immer mit solchen vorbehalten entgegen, früher selber mal D&D bis zum abwinken gespielt, aber es ist so grotten schlecht…. und wenn man das angebot so sieht, das im grossen und ganzen nur um das hin und her kleiner bedruckter papierscheinchen geht, dann frage ich mich eins: “wenn ich im realen leben keinen sex habe, was habe ich dann vom dort angebotenen virtuellen ?” aussehen tut es wie einst bei “leisure suit larry in the land of loung lizzards” und das war eher belustigend und auch umsonst :-) es wird nur wieder eine plattform geöffnet, von deres später mal heissen wird “….. so ein ruhiger mensch, immer nett, und er war auch immer in second life….” nachdem irgendwo ein paar tote vom gehweg gekratzt wurden …. aber das ist ja heute eh nebensache. ich bin kein moralapostel , aber gegen meine langeweile pflege ich anders als mit geldausgeben entgegen zu wirken :-)
    und zur suchtgefährdung: wer nur halbwegs seine sieben sinne beeinander hat, schmunzelt einfach nur ob der grafik, und zieht andachtsvoll den hut vor der geschäftsidee …..

    3. April 2007 @ 18:15

  3. Jagolina says:

    Toll, was der ganze Hype, der Medienrummel und die Marketingmaschinerie nicht geschafft haben, kriegst Du jetzt mit Deinem Kommentar hin: ich bin jetzt sowas von neugierig!!!

    Anschauen werd ich mir das wohl mal, aber mit Deinem Worten im Hinterkopf ;) .

    4. April 2007 @ 11:49

  4. irgendwer says:

    es sind die gleichen methoden die auch im real life stattfinden. oder würdest du am hamburger bahnhof ein vertrag mit zweijahresbindung bei arcor abschliessen , so im vorbeigehen ? eher wohl nicht …..

    4. April 2007 @ 15:14

  5. Jagolina says:

    Du hast es doch auch gemacht *g*

    4. April 2007 @ 16:57


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