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kleine katastrophen verschönern den Tag

der Teufel sitzt bekanntermassen im Detail oder in der Hölle, was ja je nach Betrachtungswinkel das gleiche sein kann. In meinem Fall ist es die Summierung der einzelnen kleinen Atom-Explosionen die diesen Sommer anscheinend mich als willkommenes Opfer klassifiziert haben und mich im gleichbleibenden Rhythmus heimsuchen, wie die Heuschrecken das alte Ägypten. Jede Facette meines Lebens wird schön durcheinandergewirbelt wie in einem überdimensionalen Wäschetrockner, und selbst wenn ich “HALT!” schreien würde (auf meiner Pflegeempfehlung steht: “Nicht zu stark Schleudern!”); mein Leben schert sich zur Zeit einen Dreck um solche Kleinigkeiten. Wenn ich zitieren darf:

Das Leben ist ein langer und ruhiger Fluss, aber voller Hindernisse und Stromschnellen.

so gesellt sich zu dieser Aussage zur Zeit noch das Re-Fining: Fluss (ja),Ruhig (ja), Lang(vielleicht), Hindernisse (ja), Stromschnellen(jein), Dreckig(oh ja), Felsen(ja,viele),Schiffbrüchige(ja,einer)….

Was Harmlos begann, zieht momentan irgendwie grosse,weite Kreise. Da die Arbeit für diese Ausnahmen verantwortlich ist , werde ich sie mal hier erwähnen. Der ganze Spass begann im Februar dieses Jahres, an einem Morgen der bei mir mit dem Sichten der fernschreibtechnisch vorgetragenen Kleinigkeiten beginnt, die ich zumindest mit einem Actimel(war das jetzt Werbung?) und einem Latte Macchiatto beginne. Es sollte noch soviel dazu gesagt werden, das ich zu diesem Zeitpunkt gerade einer kleinen(betrachtungswinkelabhängig) Katastrophe aus dem Weg gegangen bin(andere Geschichte). Zurück zu diesem anscheinend elementar mein Leben verändernden Februarmorgen. Einer unserer Server meldete sich mit einem kleinen Wehwehchen, das ungefähr sich so äusserte wie ein kleines Kind, das morgens nicht seinen Hustensaft nehmen wollte. “Äh baba” halt. Selbstherrlich irgnorierend wie ich nun mal bin, tat ich das was ich morgens im Februar perfekt kann: ich ignorierte es perfekt! Dank dessen und einiger netter Telefonate erinnerte mich das kleine Maschinchen im Stundenrhythmus an sein “kleines” aua um dann gegen Mittag beleidigt sich auf das Schmollen und Arbeitsverweigerung zu verlegen. Nun dieser Server steht nicht in meinem unmittelbaren Lebensraum, nein, das andere Ende dieser wundervollen Stadt (genauer gesagt, gegenüber der BSR) ist seine Heimat. Mit dem letzten Mitteilen seines Probs wollte ich schon androhen, ihn nonchalant über die Strasse zu befördern, so als einfache Androhung, justamente da fingen die Kunden an, mir fernschreibtechnisch und vor allem telefonatisch (cooles Wort!) ihr Bedauern über meine missliche Lage anzutragen, nicht ohne dem vehementen Wunsch ihrer zeitnahen Behebung. Also holte Harry mal den Wagen und wir inspizierten das Problem vor Ort, da das kleine Scheissteil mich nicht mehr durch die Vordertür in seine Eingeweide ließ. Er schmollte halt, was gleichbedeutend damit ist “ich nagele die Eingangstür zu , von innen!”. Ulrich Meyer investigativ, problemsuchend und findend, war der Fehler schnell lokalisiert. Eine kleine Firma aus dem nordwestlichen Ural hatte mit viel Ölmillionen eine britische Softwareschmiede gekauft und beglückt seitdem die Community der leidgeprüften Administratoren von Kundenservern mit einer Software namens PLESK (mittlerweile für mich der Inbegriff der binären Hölle). In Ermangelung an durchsetzungsfähigen Konkurrenzprodukten haben wir uns damals für diese vortreffliche weissrussische Software entschieden , im Hinterkopf den Gedanken, das sie ja nicht umsonst die meistverwendetste ist. Auch wenn es nicht die Eigenschaftvon Männern is, zu ihren Fehlern zu stehen, da ich diese Wahl traf, mache ich mich mal nackig und sage: “Es war ein Fehler!Leeloo würde sagen, “ein bibabbaboom Fehler”. nur würde sie auch mit einer Laserwaffe das Problem lösen, während mir nur der gezielte Wurf meines Telefons bleibt. Zurück zu den Meisterwerken russischer Programmierkunst, es stellte sich heraus , das eine Stelle defekt war, und als “User” (mal ganz ohne MCP) setzt man sich also fernmündlich mit seinem Support auseinander. [Blende,4 Tage später] Nach etlichen teils freundlich, teils flehend gestalteten Verbalinjurien war der Stand der Dinge folgender:

Wir reparieren den Fehler! [gut!] Damit wir anfangen, uns Gedanken über den Fehler zu machen (§1:wir machen keine Fehler, es ist ein herbeigeführter, von dir dem User), zahlt bitte erstmal 300 € (wenn wir herausfinden, das es nicht §1 ist, tun wir aber so als wäre es ein Fehler von dir , USER!). Damit wir richtig denken können, möchten wir gerne je Stunde 125 € (wir sagen dir nach 3 Stunden, das es dein Fehler war USER !!!!)

In Aussicht auf 4stelligen Verlust und dem Auszehren irgendwelcher Rücklagen im Auge, verzichtete ich auf das doch nett gemeinte Angebot, und fixte den Fehler selber (was eine ganze Woche dauerte, und mich um 10 Jahre altern liess, mental zumindest). Im Zuge des Reparierens bildete ich die Software auf meinem eigenen Dev-System nach, was mich reproduzierbar genau 1 Server kostete. Glücklich darüber, das ich nun tatsächlich zwei Baustellen hatte, die beide ebenso besch***** waren, opferte ich meinen lokalen Server (ich sollte nicht Schach spielen) und bekam so zumindest externe System wieder zum laufen. Damit war eigentlich alles OK, bis auf die Tatsache, das ich nun nicht mehr arbeiten konnte. Also bedankte ich mich artig bei den Göttern der mittleren Rechentechnik für die erhöhte Freizeit und baute aus irgendwelchen Ersatzteilen einen notdürftigen neuen Server auf auf dem ich dann wieder arbeiten konnte. Und vergass meinen Groll. Und sonst auch noch so einiges.[Blende,5 Monate später] Ich wache auf , es ist noch dunkel draussen, also es war so irgendwie um halb fünf Morgens im Juli (naja nicht ganz dunkel). Und irgendwas war anders. Genau, es fehlte das Summen meines kleinen ITX Chipset Lüfters, der von meiner Ersatzteilkiste in meinen Server gewandert war, damals im Februar. Also halbschlafend aus dem Bett, auf die Leiter in das Warme Nest meiner ortsansässigen Rechentechnik gewechselt, und ja, wo sonst eine kleine grüne LED ihr TAG/Nachtwerk erledigte , nur noch Dunkelheit. Es ist ausgeschlossen, das in einer Singlewohnung wie meiner, jemand anders die Kiste ausmachen würde, ebenso wie Poltergeister und Begegnungen der dritten,vierten und sonstwelcher Art rigoros ausschliessbar sind. Also blieb nur der gute alte Stromausfall, was abernicht sein konnte, da der Rest meiner stark technokratischen Wohnstatt noch voll unter Strom lag. Am Tag erklärte mir der Facility Manager meiner Wohnanlage, das wohl sich irgendjemand na der Hausverteilung zu schaffen gemacht hat. Es gab aber wohl keine Opfer, wenn man mal vom Netzteil meines Servers und den Spannungsreglern meines VIA Boardes absah, was laut Facility Manager ja verschmerzbar wäre. Worauf ich ihm sagte das ich Sparen auch scheisse finden würde.

Also was macht der mit hardwarekenntnissen seit zweiundzwanzig Jahren Beschlagene Autodidakt ? Richtig, er zückt Plastikgeld (und nein, er spielt nicht monopoly!) und räumt das Konto um Platz zu machen für neues Geld. Mit diesem gewissen Mehr in den Taschen betritt er nach vorheriger Recherche den nahegelegen Hardware Shop seines Vertrauens, in diesem meinem Fall tatsächlich Kacke und Mist am Alex um mit stolzgeschwellter Brust seinen Wunsch kundzutun : “Hardware für 300 € bitte, es kann auch etwas mehr sein!” Bewaffnet mit den Insignien Taiwanesischer Rechenkunst und mit einem Prozessor aus dem Saxonian Valley nach Hause kommend, machte ich mich an Werk und nur 4 Stunden später blickte ich auf den vertrauten root-login meines nunmehr dritten Servers in dieser Wohnung. und er rauschte wie ein Mittelklassewagen im Windkanal (man muss für Technik auch Opfer bringen können!) mit einem WAF von mind. minus 10. Da ein bischen mehr rund 700 € bedeuten können, nahm ich die restliche neu erworbene Technik unter wildem Hin-und-Her Gepatche auch noch in Betrieb unter dem Motto: “Linux geht sogar auf einem elektrischen Rasierapparat” (was vermutlich nicht mal eine falsche Aussage wäre!). Nach entsorgung von 4 Kubikmetern Verpackung begann die Restauration meines Servers (ja , ich bin altmodisch, ich mache Backups!) und er fing an das zu machen, was er am besten kann: er servte wie ein Tier.

War ich nun glücklich? Naja, vielleicht, wenn sich nicht das HassProdukt aus Wodka und compiled PHP namens Plesk wieder zu wort gemeldet hätte, besser hätte kein Timing dieser Welt sein können. (im februar war der leidensweg nur andersrum!). Ein Kunde bat mich auf seinem Server ein Zertifkat in Betrieb zu nehmen, was im Allgemeinen 4 -6 Webformulare, 150 € von einer Kreditkarte und 10 min später erledigt hätte sein können. (aber wir lieben ja den Worst-Case!). als nach 12 Stunden herum doktern es nicht ging, folgte wieder die telefonische Zuhilfenahme von etwas Support was zur gleichen geldlichen Aussage wie oben führte. Nur das ich es diesmal nicht fixen konnte! Die russischen Programmier sind mir doch tatsächlich im Steine-in-den-Weg-werfen echt zuvorgekommen, denn das Zertifikat gehörte nicht meinem Kunden sondern wie von magischer Hand nun plötzlich denen. Ich habe aber meine Samariterphase schon vor Jahren abgelegt, also wollte ich mich beschweren , was aber ebenso im Winde verhallte, wie der gedanke meine 150 € wiederhaben zu wollen.

Also beschloss ich, den russischen Programmierkünsten lebewohl zu sagen (und ich habe nicht servus gesagt!) und alles auf eine andere Maschine zu portieren (in Gedenken an MP: “and now something completly different!“) was mir auch fast gelingen sollt, wenn…ja… wenn dieses kleine Wörtchen Wenn nicht wäre! Am Donnerstag letzter Woche erwachte ich wieder zu nachtschlafender Zeit, diesmal deutlich langsamer als im Februar und im Juli, da der Vorabend deutlich vom deutschen Reinheitsgebot geprägt war und in langen Diskussionen mit gebrannten Kakteenflüssigkeiten ausartete. Es war wieder ein Geräusch was plötzlich *nicht* mehr da war, und wieder einmal wuchtete ich die Kiste von Ihrem angestammten Platz an meinen Arbeitsplatz, nur um festzustellen , das sie wieder einmal defekt war.

Da meine Ersatzteile schon für seinen Vorgänger ihr Leben lassen mussten blieb somit nur der Gang zum einschlägigen Fachhandel, der mich mit den Worten empfing: “Nun, natürlich sind die Teile bei uns gekauft, aber *sie* haben sie zusammengebaut, also kostet die Reparatur Geld!” Und ein Blick in eine Vitrine zeigte mir das ich mit offenen Mund echt dämlich aussehe. Keine Server , bedeutet keine Arbeit! Keine Arbeit schliesst Geld verdienen praktischerweise aus! Und die Moral von der Geschichte:

  1. ich bin zu billig ! andere bekommen viel mehr Geld für nichtssagende Aussagen als ich !
  2. russische Programmieren sind gut, das ist eine Urban Legend
  3. Lieber Zwei Baustellen als garkeine !
  4. wer billig kauft , kauft zweimal (wie wahr !!!!!)
  5. ich hätte lieber Gärtner werden sollen !

Somit warte ich nicht auf Godot sondern auf den nächsten Aderlass meiner nicht vorhandenen Kriegskasse ! R.I.P

3 Kommentare

  1. sonnenschein says:

    ach nils, als ich simon peters im frühjahr im kino gesehen habe, konnte ich mich so oft wiedererkennen. inzwischen habe ich auch das hörbuch und kann es dir nur wärmstens weiterempfehlen. nicht den kopf in den sand stecken !!!

    7. August 2007 @ 16:58

  2. irgendwer says:

    ich stecke ja nicht den koipf in den sand :-) bin ja kein australischer laufvogel …. und ungevögelt aus fuerteventura bin ich (als ich da war) auch nicht zurück gekommen, ich habe auch noch nie einen t-punkt von innen gesehen, also ist das kein vergleich …. :-)

    7. August 2007 @ 17:14

  3. wir suchen … weiter | wintermute says:

    [...] Katastrophen und andere Hindernisse; so hies mal ein Beitrag [...]

    5. September 2007 @ 14:57


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