israel in july 06
es ist soweit! ich versuche mich mal ein paar tage zu entspannen, mache sozusagen etwas urlaub, nicht viel, aber jede sekunde ist notwendig. und auch das ziel der reise ist etwas anderes als einfach nur mal eben so: israel, ashkelon. gaza ist ca 20 km südlich und wer ein wenig nachrichten sieht-hört-liest, da sieht man die bilder von brennenden häusern und gestürmten ministerien, und das allgegenwärtige feuer, das aus blinden rauchgeschwärzten fenstern in den himmel steigt.
aber langsam und von vorne, es ist der 29te und ich habe die party der letzten nacht eher schlecht als recht überstanden. versuche so gegen mittag den panzer wegzuschieben, der irgendwann in der nacht von irgendjemanden auf meinem kopf geparkt wurde. und es war wieder der svinka, der einem dermassen auf die innenseite der augen drückt. nachdem die ersten telefonanrufe mit einer stimme die zwischen johnny cash und charles aznavour gehalten wurden. langsam breitet sich ein wenig vorfreude aus, zumal tami mir schon neidvoll zugestanden hatte, das sie so gerne mitkommen möchte, nach hause zu ihr sozusagen…
nach der zeit des fluges kamen dann die netten ansagen, das doch bitte das fotografieren auf dem flughafen streng verboten ist, wegen ebenjener sicherheit. auch das war schon belustigend, wurde dann aber recht schnell durch die realität eingeholt. hier ist das militär allgegenwärtig und bei der grösse der empfangshalle überkommt einem ein wenig ein mulmiges gefühl, was wohl bei einer panik hier passieren würde. sicherlich, es sind alles recht weite gänge, also nicht so wie in frankfurt, wo es ja fast gemütlich ist. man läuft hier durch recht grosse hallen und hat dann auf dem weg zu den passport controls eine rampe vor sich, die ca. 25 meter breit und 150 m lang ist, in einem raum der 40 m hoch ist, und das ganze in zwei richtungen. was dann folgte war eine akribische selektion, wer denn nun rein darf und wer nicht. in meiner schlange standen ein paar phillippinos, die wurden allesamt heraus gezogen und zu einer weiteren untersuchung ihres einreisewunsches in irgendwelche räume geführt aus denen nur erregte stimmen zu hören waren. bei mir ging es dann recht schnell und ebenso unspektakulär weiter. sehe anscheinend nicht so aus wie ein bombenleger, der im auftrag des herren kommt.
dann umfing mich der morgen von tlv, es war zwanzig minuten vor fünf und alle menschen wollten schnell nach hause, oder wo auch immer hin. hier wird das durch kleinbusse und shuttles erledigt. nach der obligatorischen zigarette danach (dem flug!) ließ ich mich von einem dispatcher zu meinem taxi geleiten, was an sich nicht schlecht war, sich jedoch im nachhinein herausstellte, das der taxifahrer bezüglich meines ziels den gleichen wissenstand hatte wie ich. das sagte er aber leider nicht vorher. von tlv bis ashqelon sind es ca 80 km autobahn, die auch recht schnell vergingen. wenn man mal davon absieht, das es hier gerade so etwas wie krieg gibt, so waren es doch die einzigen merkmale darauf,das es zwei polizeisperren gab mit bis an die zähne bewaffneten männer und nagelgurten und was weiss ich noch. morgens um halb sechs erreichten wir diesen ashqelon, der recht nett aussieht, zwar viel neubauten aber denoch angenehm, weil nicht so hoch und vor allem nicht so hässlich wie in dtl.
[deutschland ist im halbfinale]
während ich dies schreibe, schlagen zwanzig kilometer südlich die raketen ein. aus meiner sicht heraus, hört es sich an wie ein abziehendes gewitter, nur das dazu die hubschrauber nicht so richtig passen wollen. es ist schon irgendwie ein komisches gefühl.
[01.07.]
heute gehts nach tlv, zum anschauen … mal sehen.
wir brachen nach einem durchaus oppulenten frühstück auf,wir das sind 66 % der anwesenden. nach dem frühstück heisst mitten in der mittagshitze, aber die air-con leistete dir arbeit , für die sie gebaut war….nachdem ich fahrt von tlv nach ashkelon bei nacht, besser im morgengrauen zugebracht hatte, war es diesmal interessanter. wenn es auch nur autobahn war, aber es hatte sich schon was verändert seit dem letztenmal wo ich hier war. alles viel industrieller und technisierter. was nicht heissen soll, das ist schlechter ist, aber halt anders. wir fuhren zum alten hafen von yafo quer durch das arabische viertel, wo man sich herzlich wenig um den shabat scherte. was wiederum meine gedanken zurück zu den raketen führt die jetzt, um elf immer noch im 15 minuten takt 20km südlich von mir ihr ziel finden. glauben hin und her, land hin und her, wer war zuerst da, wer hat das recht auf was? in tel aviv war recht wenig davon zu spüren, so wie dort stelle ich mir mediterranen sommer vor, viele menschen die unbeschwert den sommer geniessen, es ist kaum zu glauben, das wir nur 40 min von den raketen entfernt sind. im gedanken ist das bild schon gespenstisch. die bilder die hier zu sehen sind, das sind einfach nur ein paar momentaufnahmen, nichts weiter, aber es herrscht, man könnte fast sagen, ausgelassene fröhlichkeit hier…. vielleicht sind auch nur zuviele touristen hier, wobei das auch mir etwas komisch vorkommt, denn überall in der freien welt gibt es nachrichten, und man kann sehen, oder auch nicht, wie es hier in einigen gegenden aussieht. ein kilometer südlich der stelle an der ich jetzt sitze, sind alle strassen hermetisch gesperrt, und wie ich schon sagte, das militär ist allgegenwärtig.
gute nacht.
[02.07.06]
ruhe.heute ist sonntag.aber das heisst hier eigentlich montag, also arbeitstag.gerade mal zwei einschläge habe ich mitbekommen, waren wohl auch nicht mehr.doch jetzt beginnt die nacht und da geht es im allgemeinen erst wieder los.
der tag war ereignislos, ich habe hier alles repariert, was es zu reparieren gab, morgen noch mal ein wenig, dann bin ich fertig. wahrscheinlich dann nur noch das vpn zeugs….
ausserdem wollte ich morgen mal an den strand, und ich hoffe greenpeace bekommt das nicht mit. in der kürze liegt die würze …
gute nacht.
[04.07.06]
sorry,gestern gabs nix zu berichten, deshalb erst heute wieder ein paar zeilen von mir. es ist jetzt zwanzig minuten nach zehn am morgen, ich sitze mit meinem laptop auf der terasse des hauses, in dem ich hier wohne. die sonne scheint erbarmungslos, kein regen, kein wind, einfach nur warm. neben mir liegt mein murakami der, mal nebenbei erwähnt, richtig gut zu lesen ist. alles was ich zu tun hatte ist erledigt und jetzt trinke ich meine morgenkaffee und denke an so ein paar eigentlich verückte sachen.
während ich hier sitze, schlagen die raketen im minutentakt ein, mal lauter, mal verhaltener. es ist für mich recht komisch darüber nachzudenken, denn ich sitze hier wie auch ein jeder deutscher es manchmal macht. man sitzt auf der terasse und geniesst den morgen, aus den anliegenden häusern hört man emsige betriebsamkeit, irgendwo läuft ein radio mit israelischer popmusik (die nicht unbedingt gut ist) im wechsel mit den hits der achtziger. gleichzeitig klirren ein wenig die fenster der terassentür, wenn wieder eine rakete eingeschlagen hat. stellen wir uns mal vor, in der nähe von oranienburg würde es einen kleinen landstreifen geben sagen wir mal von oranienburg bis etwas weiter als wandlitz in der länge und vielleicht 20 km breit. dort würden sich alle die zurückziehen, die zum beispiel ihre ddr wiederhaben wollten. (ich bitte,das man das abstrakt sieht, ist nur ein fiktives beispiel). es wären also genauso deutsche wie wir alle. sie würde dort in diesem landstreifen ihre eigene regierung bilden, eigenes geld, bildung wirtschaft und was auch immer haben wollen. wir als der rest der deutschen, wir würden da erstmal belustigt zusehen, international aber jegliche anerkennung verweigern, weiter noch, wir würden auch nicht akzeptieren, das es diese enklave überhaupt gibt. nein, wir würden sogar eine mauer drumrumbauen, um eine art isolation zu erzwingen. gleichzeitig würden wir alle menschen dieser enklave, sofern sie sich ausserhalb der umfriedung aufhalten, arrestieren. tag und nacht würde die bundeswehr rum um diese enklave patroullie fahren, suchscheinwerfer würde jede ecke nachts taghell ausleuchten. natürlich würde es die üblichen geplänkel geben, mal hier ein paar militante mal dort ein paar emotionale momente, bis dann irgendwann die einwohner dieser fiktiven enklave zurückschlagen. sie bauen sich waffen aus schrott und können eigentlcih nichts weiter als nur pieksen, denn wir deutschen, tja, wir haben ja eine superarmee. also wird eine patroullie der deutschen des nachts überfallen und als geisel genommen. die deutschen lassen sich das natürlich nicht gefallen, und schlagen mit allem was erforderlich ist zurück.
was soll denn das bitte? jeder halbwegs ethisch und humanistisch denkende mensch schüttelt dabei den kopf, für uns ist das ganze unvorstellbar. wahrscheinlich nicht nur für uns. und die alltäglichkeit mit der das alles hier in israel stattfindet, das ist das was mir angst macht. das ich jetzt gerade in diesem moment, auf einer terasse sitze und einen kaffee trinke, während menschen, zwanzig kilometer entfernt versuchen sich gegenseitig umzubringen.
die raketen schlagen jetzt im minutentakt ein.
ich lese weiter den murakami.
es scheint wieder mal ein schöner tag zu werden und im radio läuft weiter die musik.
[04.07.06 abends]
nachdem der morgen von mehr oder wirkungsvollen offensiven der israelischen armee begeleitet war und die scheiben am haus im takte der einschläge mitgeklirrt haben, war ich etwas weiter nördlich am strand. passend zum buch kafka am strand sozusagen. wobei ich mir nicht anmassen will, irgendwas mit kafka gemein zu haben. das wasser ist traumhaft und die sonne hat einen wunderschönen abend hingezaubert, der anscheinend auch kriegerischen männer und frauen etwas besänftigt hat, denn es wird seit einer stunde nicht mehr geschossen. oder es ist das was alle verbindet, das die ruhe die stimmung die sonst hier permanent hochkocht, ein wenig in zaume hält. was aber eher unwahrscheinlich ist.
mit den bildern verlasse ich das netz heute….und mit dem gedanken, das es hier wunderschön und gegensätzlich ist …..
eben ist hier auf dem acker eine rakete eingeschlagen, aber halt ein blindgänger. die nachrichten übertreiben doch erheblich. nichtdestotrotz scheinen die fronten sich immer mehr zu verhärten. naja und deutschland wird halt dritter oder vierter…. was ist wichtiger ? gute nacht…..
[05.07.06]
es ist zwar nicht mehr morgen, aber anscheinend geht es jetzt irgendwann los. hubschrauber fliegen richtung süden über ashkelon hinweg, heute früh auch ein paar düsenjäger, aber mehr richtung meer als in richtung gaza. die rakete gestern schlug auf einem schulhof hier im ort ein, explodierte aber nicht, das hätten wir wohl gehört. es ist mehr oder weniger unwahrscheinlich das das absicht war, denn diese raketen sind alles selbstbausätze, die im allgemeinen nicht so weit fliegen. ich bin halt doch noch ein stück weit weg von gaza. man hört heute auch keine explosionen aus richtung süden, vielleicht ist das die ruhe vor dem sturm….
nichts sturm, nur ruhe. von ein paar kleineren einschlägen abgesehen, ein durchweg “un”-kriegerischer nachmittag.mittlerweile werden aber sicherheitswarnungen ausgegeben, die vor chemie, bio und sonstwas warnen. wir fuhren noch zu dem kleinen magasin, um noch ein wenig käse und peperonischinken zu kaufen (ultraleckeres zeug) und sind dabei durch den ort gefahren. vom gestrigen einschlag einer rakete aus gaza war so garnichts zu bemerken. ganz das gegenteil, es sah eher so aus wie zweckmässigkeit zu leben in der nähe der einschläge.
am abend gings nach aschdod in richtung norden, ca. 15 km entfernt, zum besten seafoodrestaurant in der gegend. und ungelogen, es ist es wahrscheinlich auch. obwohl mir hier die vergleichsmöglichkeiten fehlen, so habe ich doch die möglichkeit mit deutschland und vor allem asien zu vergleichen. und es war deutlich besser als das was ich von deutschland kenne und und fast so gut wie das was es in asien gibt. dazu haloumi und humus und (auch wenn es nicht passt) einen merlot von den golan höhen. excellent.

bin neidisch! weg ist immer besser als daheim. sommer in der stadt tröstet wenig- aber ich hol dich dann freudestrahlend bei 35 grad wieder am flughafen ab!!
gruß und dicke umarmung – bella
3. Juli 2006 @ 22:00
sommer hier und sommer in berlin sind schon was anderes…. und das meer ist zwar schön, aber wie ich schon schrieb, was hier so im umfeld abgeht, das geht gar nicht. ich freue mich auch schon wieder auf berlin, hier ist akutes tauwetter für dicke
4. Juli 2006 @ 09:57