israel in september 06
[2006-09-21]
berlin am morgen hat ja was, oder ? seeed meinte mal , andere städte haben eine sperrstunde, wir haben die müllabfuhr. ok, die werden andere städte auch haben , aber es ist schön den kühlen duft des morgens zu atmen. ich bin wieder auf dem weg. nach israel, zu armin und micha, ein wenig entspannen. und bevor die frage kommt, wie entspannen und israel , das würde ja gar nicht passen, doch macht es, wenn auch nicht vordergründig. es ist ein schönes land und der ort an dem ich bin hat so ungefähr den touch von erkner. ausserdem sind hier freunde und was möchte man mehr als die zeit , in der man nicht arbeiten muss, mit freunden zu verbringen.
und wie jede reise beginnt eine solche mit dem flug. beim ersten trip nahm ich die direkte
nachtverbindung von TXL nach TLV, diesmal den morgenflug von TXL nach MXP dort 2 stunden pause und dann weiter nach TLV, so das mich micha dort abholen konnte so gegen 4 nachmittags. soweit so gut. ich hatte mit allem gerechnet, und bin auch schon häufig überrascht worden, aber airitalia ist schon ne klasse für sich …. in jeder beziehung. tegel am morgen am gate 19, verschlafene gesichter wohin man sieht. dazwischen ich , mit schmerzverzerrten gesicht. ja, man sollte halt den kurzen sprint den leuten überlassen, die davon etwas verstehen, ich habe am hauptbahnhof beim umsteigen zwischen s-bahn und txl bus nicht mit dem erfindungsreichtum berliner architekten gerechnet. tote polizisten (so nennt man die schwellen zur verkehrsberuhigung auf den strassen) sind im allgemeinen nur in strassen eingebaut, am hauptbahnhof aber auch am fahrradständer (um die fahrradfahrer an die stvo zu erinnern?). nachdem ich den ersten mit bravour gemeistert hatte, war der zweite dann doch mein schicksal. und nachdem dank newtons zweiten satz mir mein koffer ungebremst in meine wade reinknallte, konnte ich nicht mehr mit dem linken bein auftreten. “wenn ein tag so anfängt, dann ist noch alles drin!” dachte ich mir und liess den mitleidig lächelnden busfahrer weiterfahren. ich kam zwar nicht zu spät zum abflug , aber doch zu spät um einen halbwegs vernünftigen platz zu ergattern. der flug selber war unspektakulär, bis auf die tatsache, das die italiener, berühmt für ihre kaffeekultur, den wahrscheinlich schlechtesten kaffee servierten, seit ich durch die welt düse. man kann halt nicht alles haben.
nun gut, also warten mit etwas latte sollte es ja gehen, jedoch war der kaffee auf dem flughafen nicht viel anders als im flieger. zumindest anders als ich ihn gewohnt bin in italien. az802 mein flug wurde dann irgendwann aufgerufen und ich stieg ein, und man glaubt es kaum das halb flugzeug voller rabbiner. das wird sicher lustig , mein platz direkt zwischen zweien …. na holla die waldfee, hatte ich noch nicht. in gedanken an ein paar schöne diskussionen über die religion (ist immer wieder schön) freute ich mich auf einen kurzweiligen flug. tja, es kommt 2.) immer anders als man 1.) denkt. mein sitznachbar erklärte mir auf englisch, das die sprache über die religion nur in hebrew geführt werden könne, alleine um gottes namen nicht zu beschmutzen und schwieg ab dem moment für den rest des fluges und vertiefte sich in die lektüre des talmud, der andere schlief schon bevor wir starteten und musste durch die stewardess energisch nach der landung geweckt werden. falls jetzt irgendwo 20 hektar wald fehlen, ich weiss wer sie zersägt hat!
zu dieser ganzen scenery passte der bordfilm wie nur dafür gemacht: lost in translation! leider in italienisch, aber man kann ja nicht alles haben, und so habe ich einen meiner erklärten lieblingsfilme nun auch mal in italienisch geniessen dürfen. höhepunkt des fluges war (für die nicht rabbiner an bord) das durchaus unkoshere entleeren des mageninhalts eines rabbiner anwärters in den nacken seines vordermannes. ich denke, es lag nicht an dem essen, sondern an dem genuss zuvielen feuerwassers beim warten auf den flug. ich fand es recht lustig, zumindest solange, bis mein nachbar seinen essbeutel auspackte. aber alles in allem ein normaler 3 stunden flug über das mittelmeer.
wir waren dann noch in einem recht komischen steakhouse und dananch an der kleinen marina in der bluebar. alles in allem ein angenehmer abend wenn mein bein nicht so geschmerzt hätte und …naja micha weiss was ich meine …….
[2006-09-22]
irgendwann so gegen 7 war ich halbwegs entkatert wobei mich die äusseren umstände zwangen, den schlaf zu beenden. und nein, während beim letzten mal das allgemeine getöse der einschlagenden granaten zu einem hintergrundgeräusch führten , war es diesmal einfach nur ruhig. sommer in israel halt, und tami pflichtet mir sicher bei, wenn ich sage, das es schön ist …. ich muss mich korrigieren, genauso wie bei uns eigentlich das ende des sommers. nur halt ohne die kälte und den regen. gegen mittag brachten wir micha zum airport, macht 2 wochen urlaub, auch nicht schlecht in brasilien. mir kommt es vor staffellauf , denn wenn ich das nächste mal in stuttgart bin bei seiner firma, kommt er gerade wieder und fliegt zurück nach israel … manchmal ist die welt schon recht klein, gemessen an der menge der begegnungen.
in meinem jugendlichen leichtsinn dachte ich , wenn man schon mal am flughafen ist , dann könnte man ja auch mal nach dem verlorengegangenen kleinod namens koffer vorbeischauen. also mit meinem immer noch schmerzenden bein humpelnderweise zu einem schalter , der schon wohlweislich nicht besetzt war (um dem unmut der passagiere nicht ein unschuldiges ziel zu bieten, vermute ich) sondern nur aus einer glasscheibe und einem telefon bestand. daneben hing ein verzeichnis mit fluglinien und den entsprechenden telefonnummern. ich also frohen mutes die nummer der airitalia gewählt, um nach angabe meiner file number den hinweis zu bekommen, mein koffer würde dann doch eine längere reise machen und vielleicht heute nachmittag israelischen boden betreten. naja, vielleicht brauchte er auch mal urlaub , nachdem er mir so aufopferungsvoll bei der zerrung meiner wade zur seite stand. also wieder unverrichteterdinge losgefahren , einkaufen in ashdod.
ich war ja schon beim letzten mal verblüfft über die art und weise wie die russen hier
geschäfte machen, aber das einkaufszentrum in ashdod hatte dann schon eine dimension , die eher an walmart denken lässt, denn an einen supermarkt in einer kleinstadt von der größe von templin. von der fläche her so gross wie das centro grosso , in dem ich mit bella einkaufen war, nur um die vielfalt der lebensmittel ergänzt. ich habe ein zwei bilder gemacht, die beileibe nicht die grösse darstellen können, von der auswahl her ist es auf alle fälle ein vielfaches dessen, was ich so in D gesehen habe. alleine die Käsetheke ist grösser als der ganze aldi markt in den ich immer gehe. und natürlich werde ich da wieder hingehen, bevor ich nach hause fliege , um mir diesen absolut leckeren ziegenkäse und natürlich auch den entsprechenden paprikaschinken holen , wie beim letzten mal. muss ich leider sagen, etwas vergleichbares habe ich von der auswahl her nur im kadewe gesehen , mit den entsprechenden preisen natürlich. die preise dort sind auch für israelische verhältnisse in meinen augen recht moderat gewesen.
der tag endete mit einem wunderbaren essen , grouper, lecker zubreitet mit viel knobbi und mit einer senf honig hülle , lecker halt …. (ja ich weiss, ich ess hier zuviel)
[2006-09-23]
ein x-beliebiger tag halt, samstag , entspricht ja unserem sonntag, wir haben uns mit grossreinemachen beschäftigt, die ganze bude auf den kopf gestellt. sauber gemacht, ordung, naja die hausfrauenpflichten. zu meiner entlastung muss ich sagen, das ich nicht viel gemacht habe, ich habe mich mit der linkstation hier vor ort befasst, und sie erstmal “bricked”. muss ich in berlin wieder zum leben erwecken. völlig unverhofft klingelte gegen 2 jemand an der tür und grinste mich an, wobei ich zurück grinsen musste, denn mein kleiner ausreisser hatte doch noch seinen weg zu mir gefunden. somit habe ich den kiss dp-600 der sicherlich dafür verantwortlich war , das sich die zollbehörden nicht von meinem gepäck trennen konnten, ausgepackt und angeschlossen. vorher mussten wir noch dasw gehäuse mechanisch umformen, denn augenscheinlich wurde mit dem koffer nicht allzu pfleglich umgegangen. aber er funktioniert und das ist ja wohl die hauptsache.
vielleicht sollte ich mal an dieser stelle was über den krieg hier sagen. anscheinend sind gerade auf beiden seiten soviel feiertage (zumindest auf israelischer) das der waffenstillstand eingehalten wird. beim letzten mal saß ich hier und hörte in der ferne immer das gewitter der granaten, diesmal ist eine himmlische ruhe und jeder geht seinem geschäft nach und bereitet sich hier auf den höchsten feiertag vor des es in israel gibt. das heisst die ein hälfte verlässt das land , die andere kommt her um ihn zu feiern. tami weiss sicher was ich meine, aber ich finde das schon irgendwie paradox. aber dieses land lebt anscheinend von seinen gegensätzen und das macht es auch irgendwie attraktiv,manchmal zumindest.
[2006-09-24]
The Death Sea
Sonntag ist ein ganz normaler arbeitstag. ausser es ist ein feiertag. wie heute. neujahr. komisch ist es insofern, das neujahr bei 30 grad stattfindet, aber ich habe eh kein zeitgefühl mehr, was auch sehr gut ist. wir hatten uns gestern abend entschlossen, den tag mit sightseeing zu verbringen, also hiess es, früh aufzustehen. ok, früh ist relativ, und so brachen wir um 9 uhr auf richtung totes meer. 110 km am anderen ende von israel , von mir ausgesehen , östlich. bis zur grenze von jordanien. google earth nutzer können das gerne nachvollziehen. für deutsche verhältnisse eigentlich ein kurzer trip, wie eben mal so kurz von berlin nach dresden, aber hier aufgrund der perfekt ausgeschilderten strassen eher eine art ratefahrt. bis nach jerusalem geht es , aber dann bei der einfahrt in diese stadt, da verliessen sie uns die gewogenen götter der landkarten und orientierungssinne. nach ungefähr einer stunde fahrt durch jerusalem und der 4ten (von mir gewählten) falschen abfahrt, tauchte plötzlich ein schild auf das zumindest in die richtige richtung ging. oberpeinlich , wenn man bedenkt , das mein orientierungssinn bisher immer perfekt funktionierte, in dem fall jedoch komplett versagte. Auf der rückfahrt sollte es noch besser kommen , dreimal die gleiche falsche abfahrt zu nehmen, das macht mir so schnell keiner nach
während die landschaft schon auf der fahrt nach jerusalem immer karger wurde, also noch weniger grün als sonst sowieso, beginnt hinter jerusalem die wüste, mit den obligatorischen sträuchern die in italowestern immer über die wege kullern, hier jedoch passenderweise recht gut angewachsen waren.
lehrstunde, das tote meer liegt in einem verkarsteten talkessel und wird durch natürliches regenwasser gefüllt, und das schon seit recht vielen jahren. da es keine natürliche vegetation dort gibt mal abgesehen von ebenjenen besagten sträuchern und ein paar plantagen, fliesst das wasser bei regen direkt in diesen talkessel ab. dabei wird der boden von allen mineralien ausgewaschen, die werden mittransportiert und lagern sich dann im meer ab. keine vegetation = keine basen , viel salze. das tote meer heisst deshalb so , weil es sprichwörtlich tot ist , d.h. es lebt darin absolut nix. durch das viele salz ist teilweise der sättigunglevel erreicht. jedoch ist meiste salz sehr wohl gelöst im wasser, was selbst menschen wie mir zu einem (physischen) Auftrieb verhilft.ende lehrstunde.
da ich ja wüsten liebe (hi birgit!) ist die gegend wunderschön, und faszinierend ist die
fahrt insofern, das es auf dem weg ans tote meer von jerusalem aus stetig bergab geht. Leider konnte ich die knipse nicht schnell genug anmachen, aber mitten in den bergen tauchte ein schild auf “sea level” . ja , das tote meer liegt rund 400 m unterhalb des meeresspiegels und ist von bergen umgeben, die ebenfalls unterhalb des meeres liegen. am rande der strasse tauchten dann immer wieder höhenangaben auf , mit grünen fliesen in die berghänge gelegt, die dem reisenden anzeigten, wie tief er jetzt eigentlich ist. was dabei paradox ist , das man eigentlich in die berge fährt , dazu aber immer bergab sich bewegt.
können, fuhren wir durch endlose palmenhaine, einfach nur schön. ok, wir haben dann doch einen strand gefunden, oder zumindest etwas , was danach aussah. die umgebung wirkte etwas verkommen, ganz viel schrott, alte häuser, halb zerbombt, eine wasserrutsche, die vermutlich noch aus der zeit des 7 tage krieges stammte und auch geschlossen war. der strand selbst ist steinig und schmal, aber das wasser…. durch den hohen salzgehalt lösen sich die eigenen haut fette sofort auf und bilden eine art schleimige
schutzschicht. ich hatte den fehler gemacht, mich am morgen zu rasieren, ja ich weiss mache ich sonst auch nicht , aber irgendwas hat mich wohl geritten. dies erwies sich als komplett falsch, denn sobald ich das erste mal untertauchte, brannte mein gesicht wie feuer, als ob man in einer wanne voll oldspice badet. wer kevin alleine zu haus gesehen hat , kann sich gut mein gesicht vorstellen. dazu kommt der allgemeine auftrieb in diesem wasser, sobald man bis zur hüfte drinne steht, zieht es einem die beine weg. der vorteil, nie wieder luftmatratzen, man legt sich einfach auf das wasser. ich musste dabei unwillkürlich an den mann denken , der vor 2000 jahren über ebendieses wasser lief, und stellte mir vor, welche grossen füsse er wohl gehabt haben mag, um so rein flächenmässig, nicht unterzugehen.muss ein echt ulkiges bild gewesen sein …. ich höre lieber auf so blasphemisch zu schreiben, aber jesus mit plattfüssen……
so gegen eins brachen wir wieder auf , auf unserem trip : die reise nach jerusalem!
Jerusalem
Die Rückfahrt vom toten meer gestaltete sich recht ereignislos, bis auf die tatsache das ich bewiesen habe, das ein kamel auf einem anderen sein kann , ohne sex zu haben.
wir kamen immer weiter voran , und irgendwann tauchte dann auch schon greifbar nah der felsendom auf. sehen ja, hingehen nicht , denn zwei israelische militärs versperrten uns den weg und meinten, morgen wieder , besichtigung nur zwischen 10 und 12 am vormittag. ok, die gebetsstätte ist halt in betrieb, aber anschauen hätten wir sie uns schon gerne. aber sie meinten, entry only for moslems. und so zogen wir den gesamten weg wieder zurück. nein es war nicht umsonst, der basar hat schon etwas , wie auch die bilder zeigen, aber ich werde sehen, das ich beim nächsten mal näher rankomme.
ich habe das alles nicht zeitnah aufgeschrieben, weil ich tatsächlich nix getan habe , nur erholt. während ich diese zeilen schreibe, sitze ich im allitalia flug az813 von tel aviv nach mailand und überfliege gerade (nciht ich , sondern das flugzeug) kreta , wenn mich mein italienisch verständnis nicht täuscht. der anschluss nach berlin soll laut crew warten, was aber nix heissen muss, nach der arie mit meinem koffer glaube ich auch bei allitalia nicht mehr an wunder. leider habe ich holger schon bescheid gesagt ,das er pünktlich am flughafen sein soll, mal sehen was das wird. bella holt mich nicht ab , weil es nicht geht, und sie keinen fahrbaren untersatz hat. ich könnte sicherlich auch mit den öffentlichen nachhause fahren, nur will ich dem hinflug malheur irgendwie aus dem weg gehen, bin froh das ich wieder halbwegs gerade aus laufen kann. zu dumm zu laufen halt, diese aussage gewinnt mit mir eine völlig neue dimension.
achja , im flug az813 seat 35F gilt nicht: “smells like teen spirit” sondern eher ganz anders, was ich hier nicht wiedergeben will, es sei denn , jemand hat an seinem pc das smell-o-rama pack installiert, dann bitte die kombi eingeben:
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alle anderen denken bitte an bauerhöfe mit herzchenhäuschen im hochsommer

[...] ach ja, ich bin wieder in israel, ein paar tage entspannen, lese hier [...]
25. September 2006 @ 10:54