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working class

da ja die arbeit einen grossen teil meines lebens bestimmt und ich immer wieder durch sie abgehalten werde, hier zu schreiben , so soll dann doch mal ein ton darüber verloren werden. hier folgt nun der teil der vielleicht, sollte ich mich mal irgendwo bewerben, am ehsten mit meinem profil in einklang zu bringen ist. aber ich gehe davon aus , das es schlicht unmöglich ist, sich irgendwo zu bewerben, schon alleine, weil ich es nicht kann. ich müsste dazu also professionelle hilfe in anspruch nehmen, und was vermutlich noch schlimmer ist, meinen kleiderschrank um die verhassten anzüge und krawatten ergänzen. während viele männer in solchen utensilien recht schick aussehen und auch eine persönlichkeit darstellen, hinterbleibt bei meinem anblick dann nur ein trauriges lächeln, im sinne von die “die redende wurst”.

aber das hat ja alles nix mit meiner arbeit zu tun, also hole ich da mal etwas aus. ich bin autodidakt, was heisst alles was ich mache basiert nicht unbedingt auf irgendeiner ausbildung sondern eher auf dem willen irgendwas zu machen, oder manchmal auch aus der notwendigkeit es zu machen (ja,dazwischen gibt es einen unterschied). angefangen hat es wie bei jedem irgendwann mal mit der frage der eltern (in dem fall meiner mutter), “junge, was willst du denn mal später werden?” und meine mit leuchtenden augen formulierte antwort war anfangs immer die “Kartograph”, was sich aus meinem damals vorhandenen akuten erdkundlichen interesse sauber ableiten lies. ironischerweise bezog sich das letztendlich mehr auf den entspannten job der männer mit den messlatten und dem theodolit, denn zeichnen gehört nicht unbedingt zu meinen stärken. dieser zahn wurde mir systembedingt recht schnell gezogen, denn in dem politisch einwandfreien staat in dem ich aufwuchs, konnten natürlich nur absolut treue untergebene die latte schwingen, und die höhen zwischen zwei hügeln ideal in zahlen fassen. politisch andersdenkenden , der ich familientechnisch nun mal war, blieb diese gunst verschlossen, mit der begründung, es würden ja auch brisante daten in meinen einzugsbereich kommen, wie zum beispiel die genaue lage des antifaschistischen schutzwalles.

so stand ich dann in der mitte der achten klasse da und wusste auf einmal nicht mehr wie ich als guter staatsbürger sozusagen meinen teil beitragen konnte (naja , ich wollte ja auch nicht mehr so unbedingt). und so war es meine mutter, die mir dann sozusagen auf die beine half (im nachhinein nochmals danke!) und verkündete, ich könnte ja dann immer noch problemlos das werden, was auch der sohn ihres chefs wäre, ein feinmechaniker. zur erläuterung, ja es gab auch einmal vor langer zeit kleine mechanische geräte, wie schreibmaschinen und rechenmaschinen, wunderwerke aus 4000 einzelteilen. die sollte ich dann nach meiner ausbildung reparieren. in meinem fall hiess das, anderthalb jahre stralsund internat mit theoretischer und praktischer ausbildung und dann noch ein jahr bei robotron in der schwedter str. praktische ausbildung in der schwarzen kunst.

also ging es frohen mutes nach abschluss der schule, bei dem alle gesagt hatten, he du musst unbedingt studieren, was für mich aber flachfiel da zwangsarmeedienst nicht zu den sachen gehörte die ich unbedingt brauchte. also ging ich mit meinem abschluss zu robotron , zusammen mit 35 weiteren hoffnungsträgern der deutschen feinmechanik. die ausbildung fand in stralsund statt was ebenso wie dresden zum tal der ahnungslosen gehörte, also incommunicado für die freie welt war. unsere ankunft war gleichsam ernüchternd, denn es gab dort nix , und wenn stupsi nicht irgendwann mal die lila flugschweine erfunden hätte, dann wären die prügeleien mit dem internat der landarbeiter die einzige freizeitbeschäftigung gewesen. die schulische ausbildung in der berufsschule von stralsund war recht mau , gemessen an dem vermittelten inhalt, aber dank des anwesenden lehrkörpers recht unterhaltend, ein schielender elektrolehrer und ein vierzigjähriges muttersöhnchen das elektronik unterrichtete und dem vermutlich letzten vertreter von KdF als sportlehrer liessen den theoretischen teil der ausbildung sprichwörtlich im fluge vergehen. und es kam auch noch entsprechende kurzweil auf. der praktische teil war gemessen an dem, was ich heute noch davon weiss, mindestens ebenso lustig. wer kann schon von sich sagen, das er in wochenlanger aufopferungsvoller arbeit an der schlichtfeile aus einem 10×10x10 cm grossen stück BSt 60 ein windeisen hervorzaubern konnte ? nicht das es jemand irgendwie brauchte, aber es war so im eigenen schweisse entstanden. (windeisen = gewindeschneider)
selbst ghetto, der sich in der gesamten zeit als komplett unfähig outete (in jeder , wirklich jeder beziehung) brachte es hin. das ganze gipfelte irgendwann mal in der prüfung , bei der mann eine M60 von robotron (teilelektrische Shcreibmaschine) einmal komplett zerlegen musste, einen fehler finden, und wieder zusammenbauen musste.

das für mich tatsächlich einzig verwertbare dieser zeit, das übrigblieb, ist bis heute die tatsache geblieben, das beim demontieren/montieren von irgendwelchen sachen, heute vorzugsweise pc, immer irgendwelche teile übrigbleiben, mal mehr oder weniger. damals war es die sog. tabulatorbremse, deren fehlen eigentlich nix mit der funktion der schreibmaschine zu tun hatte, in meinem fall aber zu einem 20×30 cm grossen loch in der scheibe recht neben mir führte, denn ohne bremse, tja, da wird ein “carriage return” zu einem echten erlebnis.
der theoretische teil wurde recht unspektakulär bestanden, bzw. ich habe nur die erinnerungen daran das mein elektroniklehrer bei der prüfung eine kinderkackfarbene strickjacke von mutti trug, an deren vorderseite 13 (!) zugeknöpfte Knöpfe hingen alle samt von der grösse eines senderwahlknopfes eines radios marke strelasund. und ja , dieser anblick erleichterte die prüfung nicht unbedingt!

irgendwann war auch diese zeit vorbei und bei der rückkehr nach berlin, stellte ich mich dann auf ein leben als retter der schwarzen kunst ein. dachte ich zumindest. der oberlehrausbilder von robotron nahm mich jedoch zur seite, druckste ein wenig rum, um mir dann mitzuteilen, das es ja im zuge der modernisierung nun nicht mehr soviele maschinen geben würde , und die die es dann noch gab würde man ersetzten, und sie durch etwas absolut bizarres und unvorstellbares austauschen (thx DNA!). in meinem fall bedeutete das, es gab für den zweiten teil der ausbildung keinen platz für mich. also lautete seine nächste frage, ob ich dann woanders hin gehen wollte. in meinem gedanken hakte ich also die anderthalb jahre stralsund ab und sagte zu , egal was da kommen würde. das zauberwort hiess bvs, bildverarbeitende systeme, und bedeutete für mich, das ich mit computern zu tun hatte. insofern war das wohl mein erstes mal, 1985, wenn man von diversen ausflügen auf dem c64, und zx spectrum bzw. diesem grauen ziegelstein namens z9000 absah.

bei bvs war alles grösser lauter doller ! echte russische handgeschnitzte rechner namens SM1620/30 von der grösse eines kühlschranks (falls jemand mal den film “23″ gesehen hat, dort sind die originale zu sehen PDP8/9 von DEC), programmierbar in irgendwas namens assembler, mit der lautstärke eines F40. und so fing ich an auf leiterkarten fehler zu suchen, bewaffnet mit einem osszilloskop, was fehler eher schätzen lies, denn messen. damals fing ich an zu programmieren, weil die prüfprogramme die wir benötigten, bestimmte fehler nicht fanden. durch meine programme lies sich die produktivität anscheinend unglaubich steigern, denn irgendwann kurz vor ende des lehre stand ein kleines unscheinbares männchen neben mir und meinte ich sollte doch lieber für ihn arbeiten, anstatt russische,bonbonfarbene fehlerhafte speicherchips zu finden. da das leben aus veränderung besteht, sagte ich zu und kam zu einer abteilung die es nicht gab. besser, ich reparierte nun rechner die es nicht gab, denn comecon verbot die einfuhr deutlich.

das wiederum hatte zur folge das ich 1985 dann auch den ersten PC meines lebens sah , ein eisenschwein , original IBM PC XT mit der rasanten geschwindigkeit von 8 Mhz und 64 KB RAM ohne festplatte. die erste festplatte kam kurz danach und war gigantische 21 MB gross, und sie wog 3.5 Kilo und war so gross wie zwei übereinander gestapelte Floppy Laufwerke. und so reparierte ich jetzt plötzlich diese dinger und schrieb meine testprogramme dann in C weil auf den rechnern ja msdos lief. ich kann mich hier auch noch mal bei allen menschen bedanken die mich gefördert haben, und es mir zu einem zeitpunkt ermöglichten mich mit solchen sachen zu beschäftigen, wo sich die ganze welt erst gerade anfing damit zu beschäftigen. allen voran mein grossvater, der mir die entsprechende literatur beim franzis verlag besorgte.

als sich alles wendete, endete auch meine arbeit dort. die hersteller der technik, die ich pflegte, wollten in dem entstehenden markt es lieber selber machen, und somit gab es meinem job nicht mehr. ebenso meldete sich die armee bei mir und wollte gerne , das ich eine weile gast bei ihnen wäre, was mir zuwieder war und ich somit in den zivildienst gedrückt wurde.

diese geschichte der anderthalb jahre zivildienst sind vielleicht mal gegenstand einer eigenen geschichte. als das zu ende war stand ich auf der strasse und entspannte erstmal. und wieder war es meiner mutter die zum virtuellen tritt in den hintern ausholte udn so fand ich mich nach 4 wochen nix tun in einer kleinen bude namens multidata in baumschulenweg wieder, in der eigenschaft als techniker für pc und netze. also lernte ich am lebenden system wie denn so novell funktionierte, damals das grösste netzwerk OS überhaupt, und stieg von msdos auf das halbe betriebsystem von IBM weil es sich so wohltuend vom MS einheitsbrei unterscheid und tatsächlich funktionierte. In dieser zeit drückte mir irgendjemand eine Slackware in die hand, damals noch auf 13 disketten. meine arbeit in dieser firma belief sich auf das pflegen und installieren von netzwerken in arztpraxen und handwerkerbetrieben, entspannte arbeit für entspanntes geld. in diese zeit fällt auch glaube ich mein erster eigener pc, ein 386sx mit 4 mb ram und 120 mb festplatte und einem ega monitor. zu c gesellte sich dank dem halb OS auch noch c++ und auf der ersten slackware auf cd , installiert von meinem mitsumi fx0001 cd-rom laufwerk konnte man den ersten kernel kompilieren 0.9.6 :-) .

multidata hatte zwei chefs, und einer betrog die firma und verlies bei nacht und nebel ebenjene, der andere war nicht so richtig fit und das ende war vorhersehbar. wieder auf dem markt wechselte ich zu dascus in friedrichshain um dort für die wbf zu arbeiten. dank reichlicher erfahrungen mit netzwerken wurde ich eingestellt um die fillialen zu vernetzen. 6 monate probezeit später funktionierte der spass dann auch mittels sco unix und wunderbaren zyxel modems. in dieser zeit stellte ich fest, das einer meiner grössten makel wohl meine insubordination ist, was dann dazu führte, das ich nach der probezeit wieder auf der strasse sass. und wir schrieben 1993.

nach einigen dingen die nix mit meiner arbeit zu tun hatten, gründete ich meine eigene firma. kein chef mehr und die lust geld zu verdienen waren wohl der hauptgrund dafür. im nachhinein sollte sich herausstellen, das man als eigener chef doch ein wenig ahnung von kaufmännischer tätigkeit haben sollte, damals verlies ich mich auf einen prokuristen. als der mich verlies, war das einzige was blieb, eine enorme summe an schulden. zu diesem zeitpunkt kam mir gelegen, das ich doch schon etwas wissen hatte, und so entschlos ich mich um die schulden kleiner zu machen, als dozent für ebenjene netzwerke zu arbeiten. gleichzeitig vertiefte ich die arbeit im ccc und verliess ihn erst als es keinen anderen legalen ausweg mehr gab.

zwischenzeitlich gab es noch eine weitere firma an der ich beteiligt war, die aber ebenso den bach runterging wie die erste, diesmal jedoch durch die unfähigkeit der geschäftsführer. allerdings war der schaden auch nicht so erheblich wie bei der ersten, denn diesmal war es eine gmbh. meine jetzige firma gründete ich dann 1998 als personengesellschaft ohne alles, und das ist wohl auch das los was für mich solange gilt wie ich in deutschland arbeite, lieber immer alleine.

die rechner zuhause wurde grösser und schneller, es kam suse und debian. programmiertechnisch wurde java angegangen, und für die bunten bildchen im internet php. mit ende der dozententätigkeit hatte ich dann den gerätepark eines mittelständischen unternehmens in meiner wohnung und ebensolche energiekosten. als logische folge kam die abrüstung auf den jetzigen aktuelle stand. mit einem freund zusammen betreiben wir einen kleinen entspannten isp für einige wenige ausgewählte kunden.

soviel zur history.

was ich jetzt mache? ich entwickele für den der mich bezahlt, vollständige lösungen für intranet/extranet/internet, realisiert in hard- und/oder software, basierend zu 100% auf OSS. ich verwalte rund hundert mittelstädische und private netze /rechner deutschlandweit und denke mir entsprechende lösungen aus. freiberuflich halt. und es hält mich in schwung. recht gut sogar.

2 Kommentare

  1. _____________my_blog » das leidige wort “arbeit” says:

    [...] wer lust hat liest hier [...]

    23. Oktober 2006 @ 09:53 Quote

  2. lorna says:

    schön zu lesen.. auch wenn ich von pcs und ihrer welt nix versteh ;)

    26. November 2006 @ 11:04 Quote

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